Dr. Alfred Rhomberg, Chemiker, Künstler und Publizist

 

geb. 1936, Hannover

 

Mittelschule: 1946 -1954 Innsbruck (Bundesrealschule)

Studium: Chemie, Nebenfächer: Mineralogie, Philosophie, Psychologie an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, prom. 1963

 

Pharmaforschung 1963 - 1965 als Hochschulassistent an der Universität Innsbruck, 1965-1966 Royal Dutch Shell, 1966 -1994 Pharmaforschung bei Boehringer Mannheim GmbH (heute Roche Diagnostics)

 

1996 Rückkehr nach Igls

 

Iglerstraße 47/13
6080 Igls

 

 

Computergrafik – eine Abgrenzung zu anderen Kunstformen

 

composition VII - © Alfred Rhomberg

 

 

Wenn Computergrafik als eigenständige Kunstform gelten will, müsste sie sich von anderen Kunstformen – in erster Linie von der Malerei und der Fotografie – abgrenzen lassen. Abgrenzungen bergen immer die Gefahr von Einengung, daher sollte man von einer Abgrenzung Abstand nehmen und sich eher mit den Besonderheiten gegenüber anderen Kunstformen befassen.

 

In der Malerei gibt es die bekannten Stilepochen, auf welche hier nicht näher eingegangen werden soll, außer auf die Tatsache, dass es in jeder dieser Epochen unterschiedliche Entwicklungen gab. Selbst in der arabischen Malerei im 13. Jahrhundert gibt es Personendarstellungen, die der Koran eigentlich verbietet. In der abendländischen Malerei stand neben der spirituellen Darstellungen immer auch die Darstellung von Personen gegenüber, die vermutlich als Auftragswerke aufgefasst werden müssen, zumeist jedoch den Stilmittel der jeweiligen Kunstepoche entsprachen. Es ist auffallend, dass die Natur lange Zeit kein Thema der Malerei war, weshalb die Skizzen und Aquarelle Albrecht Dürers von Landschaften, Dörfern und Städten für die damalige Zeit eher als Ausnahmen gelten können. Auch technische Zeichnungen und Architekturskizzen findet man fast ausschließlich als Zeichenskizzen oder Druckgrafiken (z.B. Leonardo da Vinci, Michelangelo) und kaum in der Malerei. Nach der Erfindung des Buchdrucks, waren Kupferstiche von Städteansichten, Landkarten und Landschaften begehrte Motive, in der Malerei waren Landschaftsbilder erst ab Beginn des 17. Jahrhunderts üblich (z.B. Bruegel). Die eigentliche Blüte fand die Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert, zu einer Zeit also, als die Erfindung der Fotografie die naturgetreue Darstellung von Landschaften und Portraits an sich überflüssig machte. Die Fotografie ist jedoch vermutlich die eigentliche Ursache für die gelungene Neuausrichtung der Malerei und führte zu ganz neuen Stilrichtungen, die sowohl der Portrait-, als auch der Landschaftsmalerei völlig neue Perspektiven eröffneten. Auch die Fotografie musste sich als Kunstform gegenüber der Malerei abgrenzen, diese Abgrenzung gelang bereits kurz nach ihrer Erfindung, wobei sich sehr bald eine rein kommerziell ausgerichtete Form (Portraitskunst, Zeitungs- bzw. Buchdruckbilder) von einer eher künstlerisch definierten Kunstform abspaltete. Letztere hat zwar die Entwicklungen der einzelnen Stilrichtungen der bildenden Kunst zum Teil nachvollzogen, jedoch immer eine Abgrenzung zur Malerei erfolgreich verteidigt.

 

Fotografie und Computerkunst

 

Eine ähnliche Entwicklung beobachten wir nach der Etablierung des Computers, mit dem Unterschied, dass es so gravierende Unterschiede wie zwischen der Malerei und der Fotografie, bei vom Computer generierten Bildern lange Zeit nicht gab, weil seit der Erfindung der Digitalfotografie Fotos fast immer im Computer gespeichert und durch Bildbearbeitungsprogramme farblich korrigiert oder in anderer Hinsicht verändert werden. Solche Verarbeitungsprozesse gab und gibt es auch in der Fotokunst, denn die Arbeit im Fotolabor (Vergrößern, Verstärkung oder Abschwächung von Helligkeitskontrasten, Weichzeichnen durch Softfilter, „Abwedeln“ dunkler Bildanteile etc.) unterscheidet sich von der modernen Bildbearbeitung am Computer nur insofern, als sie mühevoller ist und weniger Möglichkeiten bietet.

 

Mehr Sinn, als über Abgrenzungen zwischen den genannten Kunstformen nachzudenken, hat eine Analyse von Stärken und Schwächen einzelner Techniken. Moderne Grafikprogramme enthalten neben sogenannten „Kreativfiltern“, die auf einfache Weise verblüffende Verwirbelungen, Krümmungen, Dellungen etc. ermöglichen, auch Malwerkzeuge, bei denen der Pinselstrich der Öl- oder Aquarellmalerei nachgeahmt werden kann. Mit solchen Malwerkzeugen lassen sich scheinbar gemalte Bilder mit großem Aufwand anfertigen, die jedoch immer artifiziell wirken und daher kein sinnvolles Anwendungsfeld für den Computer darstellen. Andere Werkzeuge verfremden eingescannte Bilder oder Fotos quasi per Knopfdruck zu scheinbar phantasievoll gestalteten Bildfiguren, deren Ursprung jedem Grafikdesigner geläufig ist und die heute ihren festen Platz im kommerziellen Web-Design oder in der Werbegrafik haben. Damit soll der künstlerische Anspruch kommerzieller Anwendungen nicht in Frage gestellt werden, der Unterschied zwischen künstlerischer und kommerzieller Grafik liegt allerdings im angestrebten Ziel. Während jedes Kunstwerk einen nachhaltigen ästhetischen Eindruck vermitteln sollte, werden in der Werbegrafik schnell wirkende Effekte angestrebt, die mit modernen Mitteln der Computertechnik leichter realisierbar sind. Die Problematik der Computergrafik liegt daher ganz wesentlich darin, dass wegen der Vielfalt des technisch Machbaren, oft das technisch Mögliche umgesetzt und der künstlerische Anspruch vernachlässigt wird.

 

Für jede künstlerische Tätigkeit – auch für Computergrafiken – gilt letztlich, dass ohne Kreativität des Künstlers kein Kunstwerk entsteht. Gute Bilder, gleichgültig wie sie entstanden sind, sprechen immer für sich selbst und brauchen keinen anderen Zweck zu erfüllen, als beim Betrachter Interesse oder Emotionen zu wecken, ohne dass das Werk im herkömmlichen Sinn „gefallen“ muss. Die Wirkung von Bildern hängt aber nicht nur von den Fähigkeiten des Künstlers, sondern auch vom künstlerischen Anspruch bzw. der Sensibilität des Betrachters ab. Das macht eine objektive Beurteilung auch von Computergrafiken nahezu unmöglich. In der Praxis ist die Herstellung einer künstlerischen Computergrafik oft zeitaufwendiger als die Anfertigung eines Ölbildes oder mit Acrylfarben gemalten Bildes. Nach „Studien“ die den Studien in der Malerei sehr ähnlich sind, bedarf es oft mehrerer Hunderte von Schritten, wobei gegenüber der Malerei nur der Vorteil besteht, dass alle Zwischenstufen abgespeichert werden können und – wenn der Weg nicht zum gewünschten Endprodukt führt, auf gespeicherte Zwischenstufen zurückgegriffen werden kann, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

 

Dass mit Hilfe des Computers völlig neue Wege der Bildgestaltung beschritten werden können, ist durch die Vielfalt von Videoinstallationen und Computeranimationen heute hinreichend bewiesen. Hier bedarf es keiner Abgrenzungen, weil es Vergleichbares in anderen Formen der bildenden Kunst nicht gibt. Auch bei Videosequenzen und Installationen besteht die Gefahr, dass die Möglichkeiten der Technik gegenüber dem künstlerischen Anspruch oft zu sehr im Vordergrund stehen.

 

(2010)

 

 

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